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Online Gestalttherapie: Wie du auch online "echte Begegnung" herstellen kannst

Aktualisiert: 26. Juli 2022


Katharina Renke und Jan Kruse Interview: Funktioniert Online Gestalttherapie beziehungsweise Online Therapie?

Kann man online Therapie machen? Wie funktioniert online Gestalttherapie? Und geht da nicht etwas verloren?


Dr. Jan Kruse ist heute im Gestalt Café zu Gast und wir sprechen darüber, was "online" Gestalt Arbeit von der Arbeit in "Präsenz" unterscheidet.


Wir sprechen unter anderem über die Herausforderungen der Umstellung zur Online Arbeit während des Anfangs der Pandemie 2020 und diskutieren, ob die online Gestalt Arbeit zukunftsträchtig ist.


30-Sekunden Zusammenfassung

  • "Echter Kontakt und Begegnung" ist auch in Online Therapie via Zoom et cetera möglich.

  • Online Therapie muss nicht gleich sein, wie eine Sitzung in Präsenz.

  • Die Chancen von Online Therapie liegen zum Beispiel in der Erweiterung der Kontaktmöglichkeiten: Die begleitenden Person kann die neuen Umstände nutzen, um Zugang zu persönlichen Themen zu finden. Im Interview erfährst du außerdem weitere wertvolle Vorteile von Online Arbeit.

  • Ein Bewusstsein für die drei Räume zu entwickeln (mein Raum, dein Raum, unser Raum) hilft dabei, einen sicheren Rahmen für die Therapie herzustellen.

  • Mit der Online Therapie haben wir einen Weg dazu gewonnen. Es gibt nichts zu ersetzen.




Du kannst das gesamte Gespräch hier als Podcast-Folge hören:



 

Über Dr. phil Jan Kruse


Jan ist Gestaltttherapeut (DVG) und Mediator (ZMediatoAusbV). Er berät in seiner schönen Praxis am Bodensee oder "online" Gruppen und Individuen mit emphatischem Verständnis, Geduld und Präsenz auf Ihrem lebendigen Weg zu sich selbst – auf Augenhöhe im Hier und Jetzt.


Mehr Infos: https://www.jankruse.net/


 

Therapeutische Online Arbeit in der Corona Pandemie

Katharina: Wie kommt es, dass du dich mit dem Thema Online - Beratung/Coaching/Therapie befasst? Jan: Mir ging es vor jetzt über 2 Jahren Mitte März wie so vielen vielen anderen, dass wir plötzlich zu Hause geblieben sind. Und? Das war für mich noch gar nicht der erste Impuls. Ich hab gesehen, wie viele Kollegen auch so im Coaching und Beratungs-Bereich vor allen Dingen ihr hohes Tempo, was sie an den Tag legen, alles ständig zu machen und zu tun, sofort ins Internet verlegt haben. Ich war froh damals, dass wir alle endlich mal Ruhe hatten, und sicherlich alle mal nichts gemacht haben und immer zu Hause geblieben sind. Mal gespürt haben, was ist eigentlich, wenn der ganze Lärm, wenn der ganze Trubel in der Nation zur Ruhe kommt, wenn der Himmel leer ist oder der See? Ich sehe keine Boote mehr.


Nur irgendwann so im Laufe der Wochen und Monate auch, habe ich dann auch gedacht: Na ja, ich muss und möchte und will ja auch weiter arbeiten. Dann drängte sich das "online "einfach auf, weil es erstmal die einzige Möglichkeit war. So war das. Da bin ich dahin gekommen und dann hab ich, erinnere mich noch an meinen ersten Online Workshop mit der Universität 2 Tage lang: Da hab ich mich, weiß nicht 6 Wochen, drauf vorbereitet. Ich habe meine Kamera gekauft und das Mikrofon und ausgetestet, wie das irgendwie geht. Ich war total aufgeregt. Ich erinnere mich auch an Gestalt online Treffen, die wir hatten. Die unglaublich intensiv waren.

Katharina: Unter Freunden, Auszubildenden? Jan: Unter Auszubildenden. Das war eins der intensivsten Seminare, die ich mit meinen Ausbildern und meinen Kolleginnen und Kollegen hatte. Und das finde ich eindrücklich. Mhm und dann sind mir so ein paar Sachen aufgefallen, die so unterschiedlich sind zur Arbeit sonst und dann habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren.


Ist echter Kontakt online überhaupt möglich?


Katharina: Jetzt würde ich natürlich direkt gerne einsteigen, wenn du sagst es war sehr intensiv, dann klingt es für mich, als hättest du vielleicht etwas anderes erwartet? Jan: Hm ja, ich hab erwartet, weniger involviert zu sein. Ich hatte online Arbeit immer ein bisschen erwartet wie: Netflix und Youtube oder Fernsehen gucken also in so einer passiven Haltung zu sein, nicht wirklich in Kontakt zu kommen, irgendwie immer Zuschauer zu bleiben. Vielleicht bin ich mit so einer Erwartungshaltung da hineingegangen und hab dann da relativ schnell gemerkt und auch mit einer gewissen Erschütterung bemerkt, wie ich plötzlich in Kontakt war. Und wie wenig geschützt der Raum war, in dem ich sonst war. Ich hatte ja keine Aufmerksamkeit für meinen Raum, in dem ich mich physisch gefunden habe. Und hab da plötzlich gemerkt ok, der braucht auch Aufmerksamkeit. Also ich zeige mich hier in einer Art und Weise und erlebe hier etwas in Kontakt mit den Menschen am Bildschirm, dass ich mich auch in meinem physischen Raum irgendwie absichern möchte. Katharina: Ok, kannst du uns dann nochmal mitnehmen? Was genau du damit meinst?


Online Arbeiten mit den unterschiedlichen physischen Räumen

Jan: Das Besondere, wenn wir im Online Kontakt sind, so wie wir beide auch, ist, dass wir diesem "Hier-Gedanken" aus dem Hier und Jetzt drei Räume teilen. Ja? Du sitzt in deinem Raum, den ich da gerade in deinem Hintergrund sehe ich sitze in meinem Raum, den du gerade in meinem Hintergrund sind und wir beide wir beide bilden zusammen auch noch einen. Wenn ich, wenn wir, mit Klient:innen arbeiten, in unseren physischen Praxisräumen, dann ist dieser physische Raum auch Teil des sicheren Raumes, den wir kreieren. Katharina: Ja. Jan: Und ich kann die Sicherheit deines physischen Raums gerade nicht beeinflussen und du kannst die Sicherheit meines physischen Raums gerade nicht beeinflussen. Dafür muss ich gerade selbst Sorge tragen und das heißt:

  • Wer ist noch hinter der Tür?